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Aufbewahrungsklima

Aufbewahrungsklima

Empfehlungen für das Klima des Archivraums

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Was ist die ideale Luftfeuchtigkeit bei der Lagerung von historischen Fotografien?

Die Fotorestauratorin Marjen Schmidt beantwortet diese Frage und erläutert, welche Schäden entstehen, wenn die relative Luftfeuchtigkeit im Archiv zu hoch oder zu niedrig ist.
0:50 min.
Die Frage des Raumklimas eines Archivraums ist ein heikles Thema – als Faustregel gilt:
Fotografien kühl, trocken und dunkel aufbewahren, das heißt maximal bei 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit.
Gelatinesilberabzug mit Fraßspuren von Silberfischchen (8,5 × 5,9 cm auf Karton 10,4 × 6,7 cm) Fotograf: Unbekannt, Privatarchiv Marjen Schmidt, CC BY 4.0
Wichtig ist zu beachten: 
  • Jeder Grad weniger als 20 °C verlängert die Lebensdauer, weil damit alle chemischen Zerfallsprozesse verzögert werden.
  • Zu hohe Feuchtigkeit über 60 % kann darüber hinaus Schimmel und Insektenbefall verursachen – die Gelatineemulsion ist für Silber- und Papierfischchen eine Delikatesse.
  • Schimmelbefallene Fotografien sollten separat gelagert werden, bis Restaurierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Fotorestaurierung entschieden sind.
  • Ein konstantes Klima hilft physische Schäden zu vermeiden, denn kurzfristige Klimaschwankungen wirken sich durch die unterschiedliche Expansion und Schrumpfung des Trägermaterials und der Bildschicht negativ aus.
Schwankungen sollten +/– 3 º C und +/– 5 % relative Luftfeuchtigkeit in 24 Stunden nicht überschreiten (ISO 18934:2011)[1] .
Ausschnitt eines Albuminpapierabzuges mit Haarrissen, Carte de Visite (9,2 × 5,8 cm auf Karton 10,5 × 6,5 cm) Fotograf: Atelier Philipp Uhl, Gießen, Privatarchiv Marjen Schmidt, CC BY 4.0
Gut ist es, die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte kontinuierlich mit einem mechanischen oder elektronischen Thermohygrografen aufzuzeichnen, um einen Überblick über Klimaschwankungen zu erhalten.

Kühle oder kalte Depots sind als „schlafendes Depot“ sinnvoll, also für die Langzeitarchivierung der Fotografien. Nach der Digitalisierung der Objekte können die Originale im Depot verbleiben, und die Digitalisate dienen als Arbeitsarchiv.
Aufbewahrungsschema ISO 18934:2011 (Übersetzung der Autorin), Marjen Schmidt, Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber
Die Tabelle macht den Zusammenhang zwischen Haltbarkeit, Temperatur und Luftfeuchtigkeit deutlich.
Aufbewahrungs-
bedingung

30 - 50 %
relative
Luftfeuchtigkeit
Glasplatte
Nitratfilm
a
Acetatfilm
a
Polyesterfilm
Positive
Inkjetdruck,
Thermo-
sublimation,
Elektrofoto
Magnetband
CD
DVD
S/W
Farbe
S/W
Farbe
S/W
Farbe
Acetat
a
Polyester
Raum
16 - 23 °C
FAIR
NEIN
c
NEIN
c
NEIN
c, d
GUT
g
NEIN
d
GUT
g
NEIN
d
NEIN
h
BIS
GUT
NEIN
c, e
NEIN
e
FAIR
Kühl
12°C
GUT
NEIN
c
NEIN
c, d
NEIN
c
GUT
NEIN
d
GUT
NEIN
d
NEIN
h
BIS
GUT
FAIR
c
GUT
GUT
Kalt
4 °C
SEHR
GUT
GUT
GUT
GUT
i
SEHR
GUT
GUT
i
SEHR
GUT
GUT
i
GUT
GUT
GUT
GUT
unter Null
< 0 °C
SEHR
GUT
b
SEHR
GUT
SEHR
GUT
SEHR
GUT
i
SEHR
GUT
SEHR
GUT
i
SEHR
GUT
SEHR
GUT
i
SEHR
GUT
GUT
GUT
NEIN
i
NEIN verursacht signifikante Schäden
FAIR entspricht nicht den ISO-Normen, ist für einen begrenzten Zeitraum zufriedenstellend
GUT entspricht den ISO-Normen
SEHR GUT sichert eine lange Lebensdauer
a Sollte unter Null gelagert werden, wenn Farbveränderungen, Ausgasungen, rostende Metalldosen, brüchiger Filmträger und Bildschädigungen
auftreten.
b Versprödung oder Schichtablösung bei älteren Glasplatten möglich
c Diese Temperaturbedingungen können zur Zersetzung des Trägermaterials führen.
d Ausbleichungen oder Farbverschiebungen können bei chromogenen Materialien, Thermosublimationsdrucken und einigen Inkjetdrucken
auftreten. Raumtemperaturbedingungen sind für elektrofotografische Drucke, Pigmentdrucke (Kohle-, Cabrodruck) , Dye Transfer, Ilfochrome/
Cibachrome und Sofortbildverfahren gut geeignet.
e Zersetzung der Bindemittelschicht nicht auszuschließen
f Schmierstoffabscheidung vom Bindemittel ist möglich.
g Bildveränderung kann auftreten, wenn die Materialien nicht richtig verarbeitet oder in Hüllen aufbewahrt werden, die Peroxide emittieren.
h Fleckenbildung, Vergilbung und Farbstoffmigration möglich
i Schichtablösung möglich
 
 

Schadstoffe im Archivraum

Fotografien reagieren empfindlich auf gasförmige Schadstoffe. Die Folge sind Ausbleichungen und Verbräunungen. Besonders anfällig reagieren Fotografien auf Schwefeloxide, Peroxide, Ozon und Stickoxide, die zum Beispiel in Wandanstrichen, Lösungsmitteln und Autoabgasen vorkommen.

Die Konzentration der schädigenden Gase sollte so niedrig wie möglich gehalten werden. Sie können durch Filter in Klimaanlagen herausgenommen werden.

Schadstoffe, die im Innenraum vorhanden sind oder von den Objekten freigesetzt werden, können durch die Verwendung von Aktivkohlefiltern oder/und Molekularsieben minimiert werden.

Schädliche Gase in Archivräumen können durch entsprechende Schadstoffmessungen festgestellt werden.
Ausschnitt eines Gelatinesilberabzuges auf PE-Papier mit Mikrospots durch Schadstoffe aus Pressspanplatte und Wandanstrich (30 × 40 cm) Fotograf: Rudi Herzig, Privatarchiv Marjen Schmidt, CC BY 4.0
 
Die Texte des E-Learning-Kurses basieren auf den Beiträgen der Autoren und Autorinnen in den jeweiligen Handreichungen (erschienen auf https://www.lichtbild-argentovivo.eu, erschienen unter der Lizenz CC BY 4.0). Die Texte der Handreichungen wurden vom Team Lichtbild für die jeweiligen E-Learning-Kapitel adaptiert.